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Wo schon eine Taschenlampe stört

Feldatal (dpa/lhe) - Das Blitzlicht eines Fotoapparats oder eine Taschenlampe reichen aus, um zur Neumondzeit im Mai auf dem Sportplatz in Feldatal (Vogelsbergkreis) den Zorn hunderter Menschen auf sich zu ziehen. 350 Hobby-Astronomen treffen sich dort einmal im Jahr, um einen Blick ins All zu werfen.

Dabei stören schon kleine Lichtquellen eines der wichtigsten Instrumente des Astronomen: Das Auge. "Um eine optimale Nachtsichtigkeit zu erlangen, braucht das Auge eine halbe bis eine Stunde völlige Dunkelheit", betont Walter Kutschera, einer der beiden Organisatoren des fünften Internationalen Teleskoptreffen Vogelsberg (ITV), das am Sonntag zu Ende ging. Erst dann lohne sich der Einsatz optischer Hilfsmittel von Spiegelteleskopen, Linsenfernrohren und Ferngläsern.

Teleskope teuer wie Mittelklassewagen

Für das Ausharren in der Finsternis wurden die Hobby-Astronomen mit tiefen Einblicken in das Weltall belohnt. Damit sie in der Dunkelheit nicht über Stativbeine oder Zeltleinen stolperten, benutzten sie winzige Taschenlampen mit roten Filtern zur Orientierung. Das Ausmaß der Astronomie-Begeisterung auf dem Fußballfeld offenbarte sich erst mit Anbruch der Morgendämmerung: Zahlreiche Teleskope, Stative und andere Instrumente übersähten den Kicker-Rasen. Das Spektrum reichte von herkömmlichen Fünf-Zoll-Linsenteleskopen bis zu hochkomplizierten selbstgebauten Geräten - einige davon so teuer wie ein Mittelklasseauto. "Es ist halt ein Unterschied, ob ich den Jupiter als verschwommenen weißen Fleck sehe, oder ob ich die farbigen Strukturen der Bänder erkennen kann", betonte Mitveranstalter Martin Birkmaier aus Augsburg.

Deutschland "strahlt" zu hell

Viele Himmelsgucker träumten davon, einmal vom südlichen Afrika oder von Brasilien aus einen Blick auf die Sterne und Planeten zu werfen. Dort seien die Beobachtungsbedingungen optimal, schwärmten sie. Weder Licht- noch Luftverschmutzung trübten den Blick. In Deutschland dagegen behindere auch in sternklaren Nächten das Streulicht menschlicher Siedlungen, Staub- und Rußpartikel die Sicht. Beim ITV überschatteten zudem dichte Wolken und Regen das Beobachtungs-Vergnügen. Wenn die Wolkendecke einmal aufriß, richteten sich blitzartig zahlreiche Teleskope gen Himmel - jedoch nicht immer mit dem gewünschten Erfolg. Dafür gelang es einigen, den Planeten Venus am blauen Mittagshimmel zu bewundern.

Im Mittelpunkt des Treffens der Sterngucker stand nicht nur die gemeinsame Beobachtung, sondern auch der Erfahrungsaustausch und der Kauf von Teilen für den Selbstbau von Teleskopen. Den Sportplatz des SV Stumpertenrod entdeckten Birkmaier und Kutschera als besonders dunklen und damit geeigneten Ort. "Lieber ein paar hundert Kilometer gefahren und die Nacht durchgemacht, als einige tausend Mark zum Fenster raus geworfen", meinte Birkmaier, der ein Fachgeschäft und einen Versandhandel für astronomisches Zubehör und Teleskope führt. Viele seiner Kunden hätten für einige tausend Mark ein Gerät gekauft und dann beim ersen Einsatz festgestellt, daß das Insturment für ihre Ziele nicht geeignet war. Michael Marten


Last edited: jo@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:32