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  • Die selbstgemachte Musik-CD
  • Robbi bei den wilden Tieren

  • Vernetztes Vergnügen am PC

    Hamburg (gms) - Vorsichtig tastet sich Scar, der Halbling, durch das dichte Unterholz in gegnerisches Gebiet vor, ohne zu bemerken, daß sich ein feindlicher Ork von hinten an ihn heranschleicht. Doch Scars treue Elfenfreundin Hathor hat die Gefahr rechtzeitig erkannt und holt zum alles entscheidenden Schlag aus.

    Fünf Minuten später ist der Kampf gewonnen und Scar und Hathor um einige Erfahrungspunkte reicher, ein geniales Team eben! Daß "Scar" eigentlich Arnd Wetzel heißt und in Hamburg vor seinem PC sitzt, während sich hinter "Hathor" die Steuerberaterin Pamela aus New York verbirgt, ist Nebensache. Die beiden spielen ein sogenanntes MUD im Internet, lediglich die Zeitverschiebung führt hin und wieder dazu, daß sich Student Wetzel dem einen oder anderen Gefecht zu nachtschlafender Zeit stellen muß. MUD bedeutet "Multi-User-Dungeon" und bezeichnet ein Mehrpersonen-Rollenspiel, an dem sich die Teilnehmer via Internet beteiligen könnnen. In Echtzeit wird gekämpft, gezaubert und geplaudert, doch sind Freund oder Feind, auf die der Abenteurer im Verlauf seiner Mission trifft, eben nicht die Pixelgeschöpfe eines mehr oder weniger einfallsreichen Programmierers, sondern das Alter ego eines anderen Mitspielers irgendwo auf dieser Welt.

    Fantasy-Welten und Rollenspiele

    Das erste MUD wurde Ende der Siebziger Jahre an der Universität von Essex zu Forschungszwecken entwickelt und schon bald von den Studenten in alle Welt verbreitet. Auf Mitspieler könnte man beim MUD im Grunde verzichten und sich theoretisch auch ganz alleine mit dem Programm vergnügen. Doch die Möglichkeit, andere Menschen kennenzulernen, mit ihnen zu kommunizieren und zu konkurrieren, stellt den Reiz solcher Spiele dar. Der Handlungsrahmen vieler MUDs orientiert sich zumeist an populären Fantasy- oder Science-fiction-Welten, aber auch zeitgenössische Rollenspiele finden sich im Internet.

    Um an einem MUD teilzunehmen, wählt man sich mittels des Internet-Dialogprogramms Telnet von seinem lokalen PC aus in den Netzrechner des Betreibers - meist ein Universitätsrechner - ein. Dort läuft das Spiel quasi rund um die Uhr, so daß man sich jederzeit mit einer Zugangskennung in das Geschehen einklinken kann.

    Im Gegensatz zu den Telnet-Spielen können Spiele auf Basis des World Wide Web mittels der neuen Programmiersprache Java als sogenannte Applets komplett in Web-Seiten abgelegt werden, sind aber bisher nur selten Multiplayer-fähig. Ein Beispiel ist etwa ein Ableger des Spielhallen-Klassikers "Asteroids":


    Asteroids 96 ("http://www.intermarket.de/cafe/asteroids/asteroids.htm), der "Space-Invaders"-Klone Web-Invaders ("http://www.kaizen.net/kaizen/java/gamelets/index.html") und natürlich das Kult-Spiel Tetris ("http://www.lookup.com/homepages/96457/blocks.html"). Zwei Geheimtips im WWW sind das Adventure Cthulhu-Park ("http://www.cyberteam.com/cthulhupark/") und das Aufbauspiel Sol ("http://www.freeport.de/Sol").

    Letzteres ist eines der wenigen WWW-Games, das die Möglichkeit der vollen Interaktion mit anderen Spielern bietet. Viele weitere Web-Spiele sind in der "Zarf's List of Interactive Games on the Web" ("http://www.leftfoot.com/realgames.html") aufgelistet und kurz beschrieben.

    Spielzüge via E-mail

    Doch es muß nicht immer Internet sein. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, aktiv und passiv über eine einfache Modemverbindung zu spielen. Zu nennen wäre da das klassische "Briefspiel"-Prinzip, bei dem die Spielzüge via E-mail übermittelt werden. Sind am Play-by-mail-Schach naturgemäß lediglich zwei Personen beteiligt, ist beim Weltraumstrategieklassiker "VGA Planets" ein eigener Spieleleiter nötig, der die Züge der bis zu elf am heimischen PC agierenden Mitspieler auswertet, um dann die aktualisierten Dateien per Modem wieder allen Beteiligten zukommen zu lassen.

    Auch nahezu alle großen käuflichen Strategie-Computergames (zum Beispiel "Sim City 2000 Network Edition" von Maxis, "Die Siedler 2" von Blue-Byte oder "Command & Conquer" von Westwood) sind inzwischen netzwerkfähig und lassen sich somit per Modem im Multiplayer-Modus spielen. Selbst Freunde von Flugsimulatoren wie "Hind" von Digital Integration oder rasanten Autorennen wie zum Beispiel "Bleifuß" von Graffiti/Virgin können neuerdings im Mehrspielermodus gegeneinander antreten. Und auch vor den guten, alten Brettspielen macht die Vernetzung nicht halt, ein Beispiel hierfür ist "Monopoly" der Firma Westwood/Virgin.


    Letzte Änderung: 08.04.1997 18:07 von aj