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Justizirrtum nach vierjähriger Kampagne eingestanden

Zu Unrecht 18 Jahre lang im Gefängnis

Drei Briten wurden bei Freilassung von einer jubelnden Gruppe empfangen

London (AFP) - Die britische Justiz hat am Freitag einen folgenschweren Irrtum eingestanden und drei Männer freigelassen, die 18 Jahre lang fälschlich wegen Mordes inhaftiert waren. Nach einer vierjährigen öffentlichen Kampagne gestand die Staatsanwaltschaft ein, daß der Mordvorwurf auf "fehlerhaften" Beweisen basierte. Die drei Männer im Alter von 33, 44 und 61 Jahren wurden beim Verlassen des Justizgebäudes in der Londoner Fleet Street von einer jubelnden Unterstützergruppe empfangen.

Der Mordvorwurf beruhte auf der Aussage von Patrick Molloy, der 1981 im Gefängnis starb. Er hatte sich nach den jüngsten Ermittlungen durch ein von der Polizei gefälschtes schriftliches Geständnis dazu hinreißen lassen, seinen drei Mitangeklagten die Ermordung eines Zeitungsjungen anzulasten. Innenminister Michael Howard sagte, Justizirrtümer seien "von Zeit zu Zeit unvermeidbar&quto;.

"In meinem Herzen ist keine Bitterkeit", sagte Ann Skett, die Mutter des 44jährigen Vincent Hickey, als sie von der Freilassung ihres Sohnes erfuhr. Die beiden anderen Freigelassenen sind der 33jährige Michael Hickey, ein Cousin von Vincent, und der 61jährige James Robinson. Der 13jährige Zeitungsjunge Carl Bridgewater war durch einen Kopfschuß getötet worden. Vermutlich wurde die Tat von Einbrechern verübt, die sich durch sein Erscheinen gestört fühlten.

Major kündigt Untersuchung an

Zwei Monate nach dem Mord hatte die Polizei die vier Männer festgenommen. Mit einer neuen wissenschaftlichen Methode wurde nun festgestellt, daß die Unterschrift von Vincent Hickey unter einem schriftlichen Geständnis gefälscht war. Die Polizei von Staffordshire, die damals für die Ermittlungen zuständig war, lehnte zunächst eine Stellungnahme ab. Premierminister John Major kündigte an, nach der Gerichtsentscheidung werde "sehr wahrscheinlich" eine Untersuchung gegen die zuständigen Polizisten eingeleitet.

470.000 Mark Entschädigung

Der Anwalt der drei Freigelassenen, Jim Nichol, zeigte sich "hocherfreut" über das Eingeständnis des Justizirrtums, zugleich aber "wütend, daß sie 18 Jahre und sechs Monate im Gefängnis saßen für eine Tat, die sie nicht begangen haben". Die Kampagne zur Freilassung war vor allem von der Mutter von Michael Hickeys, Ann Wheal, vorangetrieben worden. Jeder der Freigelassenen kann jetzt eine Entschädigung von umgerechnet über 470.000 Mark einklagen. Aber die Rückkehr in ein normales Leben wird schwer: Michael Hickey leidet an schweren psychischen Problemen. Auch James Robinson sagte, er sei durch die Haft gebrochen. Der Innenminister bemerkte, es könne "kein unfehlbares System menschlicher Justiz geben" Fotos: Reuter

Letzte Änderung: 08.04.1997 18:11 von aj