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Kult um die Körper:

Sportlerinnen als Models in Mode

Stuttgart (dpa) - Sportlerinnen kommen als Models in Mode: Hockey- Nationalspielerin Britta Becker zeigt die neuesten Kleider, Leichtathletin Melanie Paschke Bein, Eishockey-Meisterin Sabine Kürten ihren Bauchnabel und Eisschnelläuferin Franziska Schenk silberbemalte Haut. Wer sich im Wettstreit um Werbeverträge durchsetzen will, muß längst mehr bieten als Medaillen und Meriten.

"Ich bin kein Model, das Hockey spielt, sondern in allererster Linie eine Hockey-Spielerin, die Werbeaufträge hat und für Modeaufnahmen zur Verfügung steht", betont Britta Becker. Die 22jährige Regisseurin des Rüsselsheimer RK, die spielerisch und optisch Maßstäbe setzt, ist sich sicher: "Ohne sportlichen Erfolg wäre ich uninteressant."

"Aphrodite für alle", titelte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" noch vor drei Jahren über die Schwimmerin Franziska van Almsick, die Gymnastin Magdalena Brzeska und die Eiskunstläuferin Tanja Szweczenko, die öffentlich viel Haut und wenig Stoff zeigten. Inzwischen tummeln sich allerlei Aphrodites in der Sportszene. Die "Süddeutsche Zeitung" kommt zu der Erkenntnis, daß "nicht mehr das Können, sondern die Erotik eines begnadeten Körpers heute die Popularität von Sportlerinnen bestimmt".

Steffi Graf präsentiert Bikini-Mode . . .

Steffi Graf ist nicht darauf angewiesen, mit aufreizenden Posen auf sich und ihren Sport aufmerksam zu machen. Trotzdem präsentiert die "Tennis-Gräfin" in der "Swimsuit"-Sonderausgabe des US-Magazins "Sports Illustrated" Bikini-Mode. Wasserspringerin Annika Walter hatte nach den Olympischen Spielen von Atlanta ihr Badezeug gänzlich abgelegt und bewiesen, daß der Lake Powell nicht nur landschaftlich reizvoll sein kann. Die Fotos im "Playboy" verhalfen der mutigen Rostockerin zu ungeahnter Popularität.

. . . und Franziska Schenk nur Silberfarbe

Ob Männer- oder Modemagazin, Boulevardblatt, Fachzeitschrift oder Fernsehen - als Laufsteg taugt jedes Medium. Weltmeisterin Franziska Schenk läßt sich mal im schulterfreien Abendkleid und mit Pumps auf Kufen knipsen, mal hüllenlos, die Haut nur mit Silberfarbe bemalt. 100-m-Sprinterin Melanie Paschke räkelt sich für die Fotografen schon mal auf einem Rokkoko-Sofa. Als Möchte-Gern-Model hatte auch Susen Tiedtke kürzlich einen großen Auftritt. In hocherotisches Rot gehüllt, stöckelte die Weitspringerin ins "Aktuelle Sportstudio", als finde dort eine Miss-Wahl statt. ZDF-Moderator Wolf-Dieter Poschmann fand die schöne Sünderin offensichtlich so betörend, daß er ganz vergaß, sie nach ihrer Doping-Sperre zu fragen.

Athletinnen nutzen ihr Aussehen und ihre Austrahlung geschickt, um auf sich aufmerksam zu machen. Sabine Kürten von den "pesky kids" (teuflische Kinder) der ESG Esslingen warb als kühle Blonde für die deutschen Eishockeymeisterschaften der Frauen. Ihr Bauchnabel blinzelte, ganz im "Girlie"-Look, zwischen der Montur hindurch, und die örtlichen Medien bewunderten ihre "makellosen Zahnreihen". Sabine Kürten strebt - ungeachtet der erfolgreichen Titelverteidigung - eine Karriere als Fotomodel an.

Idealmaße wichtiger als Rekorde

Kristin Sroka ist schon einen Schritt weiter. Während ihrer Gymnastik-Laufbahn, die sie mit dem 16. Platz in Atlanta beendete, stand die 19jährige Schwäbin im Schatten von Magdalena Brzeska. Seit ein paar Monaten modelt die angehende Abiturientin jedoch für eine Hamburger Agentur, wirbt unter anderem für Strumpfhosen. "Als Nebenjob macht mir das sehr viel Spaß. Außerdem kann ich mir da ein Taschengeld verdienen." Idealmaße und ebenmäßige Gesichtszüge helfen bei der Vermarktung meist mehr als Rekorde und verwandelte Matchbälle. Die Münchnerin Jana Kandarr (20) liegt zwar in der Tennis-Weltrangliste nur auf Rang 83, trotzdem hat sie einen lukrativen Werbevertrag mit der Windsor-Tochter "Clothcraft" abgeschlossen.

Auch für Schwimmerin Sandra Völker ist die Modebranche kein fremdes Gewässer. Die Olympia-Zweite soll beim Hamburger Unternehmen "Jean Pascale" sogar Franziska van Almsick als Vorzeige-Nixe ablösen. In der Hansestadt trat sie bereits bei der Modenschau "Das kleine Schwarze" auf. Auch die Rodlerinnen Susi Erdmann und Gabriele Kohlisch haben für Boutiquen edle Stoffe vorgeführt. "Mal so richtig auf dem Laufsteg zu posieren, das wäre nicht schlecht", sagt die 1,89 m große Susi Erdmann. Ihr Lebensgefährte Mario Schrader kann ihr bestimmt Tips für den Laufsteg geben: Der frühere Eishockey-Profi ist Dressmann.
Ulrike Bohl; Fotos: Sports Illustrated


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:13 von jp