IVWPixel Zählpixel
Diesen Bericht veröffentlichte die Deutsche Presseagentur kurz nach Ostern 97. Er gibt Aufschluß, warum der Wetterbericht chronisch ungenau ist. Er zeigt, daß ein paar einfache Ballons und vor allem menschliche Beobachtungsgabe auch mit einem Riesenaufwand an Satellitentechnik und Computern nicht zu ersetzen sind.


Die Not mit ungenauen Daten:

Pannen bei der Wetter-Vorhersage

Offenbach (dpa) - Zum dritten Mal kurz hintereinander lag der Deutsche Wetterdienst in Offenbach mit seiner Vorhersage voll daneben: Den Orkan an Karfreitag hatten die Vorhersagemodelle viel zu schwach simuliert, das samstags darauf vorhergesagte Sturmtief an Deutschlands Küste entpuppte sich als leichte Brise. Und am vergangenen Wochenende ließ die Sonne die Wetterkundler aussehen wie begossene Pudel. Denn ohne Rücksicht auf die Regenwetter-Prognose gab es strahlenden Sonnenschein. Hauptgrund für die Pannenserie seien ungenaue Satellitendaten, berichtet Diplom-Meteorologe Klaus Gagel.

Sparsamkeit und eine offenbar allzu große Portion Fortschrittsglaube hatte den Wetterbeobachtungsschiffen, die auf dem Atlantik kreuzten, vor mehr als zehn Jahren den Garaus gemacht. Die neuen Wettersatelliten - so Gagel - versprachen kostengünstig und flächendeckend Daten zu liefern. Die von mehreren Staaten finanzierten Beobachtungsschiffe wurden daraufhin ausgemustert. Doch das führte letztendlich zu ungenaueren Vorhersagen.

Die Schiffsbesatzungen erhoben wichtige Wetterdaten vom Meer, die sonst niemand maß oder weitermeldete. Denn ein dichtes Wetterdatennetz gibt es nur in den knapp 20 Prozent dicht besiedelten Gebieten der Erde. Rund 80 Prozent der Erdoberfläche sind dagegen von Wasser bedeckt oder Wüste. Welche klimatischen Bedingungen dort herrschen, ist jedoch von großer Wichtigkeit sowohl für die weltweite wie auch für die regionale Wettervorhersage. Beispielsweise für die deutsche Kurzfrist-Vorhersage ist - vor allem bei Nordwestwetterlagen - entscheidend, welche Hoch- oder Tiefdruckgebiete sich über dem Nordmeer bilden.

Ohne Wetterballons hilft nur ein Trick

Bis vor etwa zehn Jahren ließen deshalb die Schiffsbesatzungen im Atlantik alle zwölf Stunden Ballons mit Meßgeräten aufsteigen. Diese Daten flossen in die Wettervorhersagemodelle ein. Seit diese Schiffe abgeschafft wurden, liefern für diese Gebiete einzig noch Satelliten solche Meßdaten, allerdings aus 36.000 Kilometern Höhe über der Erdoberfläche. Was in den tiefer liegenden Schichten der Atmosphäre vorgeht, können die Satelliten viel weniger exakt messen als seinerzeit die Wetterballons. "Uns bleibt dann nur ein Trick", sagte Gagel. Aus der früheren Vorhersage werde eine neue Prognose abgeleitet: "Dazu nehmen wir die frühere Wettervorhersage und tun einfach so, als seien es exakte Meßwerte."

Genau darin allerdings liegt ein Problem: War die alte Vorhersage verkehrt, kann die darauf aufgebaute neue vollkommen falsch werden. Wenn dann zudem die Satellitendaten ungenau sind und wichtige Wetterabläufe nicht wahrnehmen, kommt es zu den Vorhersagepannen.

Nicht hundert-, aber neunzigprozentig richtig?

Daß der Deutsche Wetterdienst trotz solcher Datenprobleme in 90 Prozent der Fälle richtig liegt, spricht aus Gagels Sicht für die Qualität der dortigen Computerprogramme und für die Professionalität der Mitarbeiter in Offenbach. Gagel schließt nicht aus, daß sich die Abteilung Forschung und Entwicklung eingehend mit den jüngsten Fehlprognosen befaßt. Und was die Qualität der Satellitendaten angehe: "Wir arbeiten daran".

Letzte Änderung: 21.05.1997 15:59 von jo