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Proteste in Hongkong am . . .

Jahrestag des Tian'anmen-Massakers

Hongkong/Peking (dpa) - Mehr als 40.000 Menschen haben in Hongkong der zahlreichen Opfer der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989 in China gedacht. In Peking selbst wurden die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Platz des Himmlischen Friedens verschärft. Die Familien der Opfer gedachten in aller Stille ihrer Angehörigen in privaten Trauerfeiern oder auf dem Friedhof.

Im Hongkonger Victoria-Park versammelten sich die Demonstranten um eine "Säule der Schande" des dänischen Künstlers Jens Galschiot. Es ist möglicherweise die letzte Gedenkveranstaltung dieser Art, da befürchtet wird, daß mit der Rückgabe der britischen Kronkolonie an China in vier Wochen solche Aktionen nicht mehr gestattet werden.


Eine Blume an der "Säule der Schande"
Die acht Meter hohe Kupferskultur des Künstlers zeigt 50 ineinander verschlungene, in Angst erstarrte junge Menschen. Sie war per Schiff nach Hongkong gebracht worden, wo sie eigentlich aufgestellt werden sollte. Nach einem Beschluß der Stadtverwaltung muß sie aber bereits am Donnerstag wieder abgebaut werden.

Auf Spruchbändern forderten die Demonstranten, darunter Studentengruppen von allen sieben Hongkonger Universitäten, China müsse sein Urteil über die Bewegung von 1989 als "konterrevolutionäre Unruhen" korrigieren. Im Park wurden Särge aufgestellt. Einer der Organisatoren meinte, die Gedenk-Demonstration sei voraussichtlich die letzte in Hongkong. "Die neue Regierung wird solche Veranstaltungen künftig mit dem Argument verbieten, daß sie die nationale Sicherheit Chinas gefährden." Demonstrationen gab es auch an den Hongkonger Universitäten.


Regierungschef: Optimistisch in die Zukunft blicken

Hongkongs künftiger Regierungschef Tung Chee Hwa forderte in einem Interview die Bevölkerung auf, die Last des 4. Juni hinter sich zu lassen und optimistisch in die Zukunft zu blicken. Mehrere hundert Menschen wurden damals bei dem brutalen Vorgehen des Militärs in Peking getötet, was die Zuversicht der Hongkonger in ihre Zukunft unter chinesischer Herrschaft zutiefst erschüttert hatte.

Der achte Jahrestag verlief in China aber ohne Zwischenfälle. Zahlreiche Polizisten in Uniform und Zivil patrouillierten bis zum Abend auf dem Tian'anmen-Platz im Herzen Pekings. Unter Bäumen am Rande standen Polizeiwagen und andere Fahrzeuge der Staatssicherheit mit Sicherheitskräften, die bei Zwischenfällen eingreifen sollten, bevor jemand etwas mitbekommt.

Dissident fordert demokratische Reformen

Ein wenig bekannter Dissident, Shen Liangqing, aus der Provinz Anhui forderte in einer Petition an Chinas Volkskongreß demokratische Reformen und "die Wahrheit über den 4. Juni", berichtete die Menschenrechtsorganisation "Human Rights in China" (HRiC). Die meisten anderen Dissidenten, die in den Vorjahren noch Petitionen verbreitet hatten, sitzen im Gefängnis oder Arbeitslager.

In einem Zwischenfall in Tokio vor der chinesischen Botschaft versuchte ein Chinese, mit einem Kleinlastwagen die Polizeiabsperrung zu durchbrechen. In einem Schreiben an Chinas Staatsführung forderten rund 3 000 Unterzeichner, darunter 23 Nobelpreisträger, die Freilassung des damaligen Studentenführers Wang Dan, der im Oktober zu elf Jahren Haft verurteilt wurde. Fotos: AP, Reuter



Letzte Änderung: 05.06.1997 00:02 von aj