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Leserbrief

Erzrivalen rücken zusammen

Treue Apple-Kunden sind über Zusammenarbeit mit Microsoft schockiert

Boston/Hamburg (dpa) - Der Coup des Softwarekönigs Bill Gates und des Apple-Pioniers Steve Jobs überraschte alle: Die Erzrivalen Microsoft Corp. und Apple Computer Inc. rücken zusammen; Gates investiert 150 Millionen Dollar (282 Mio DM) in den angeschlagenen Computerhersteller. Apple verpflichtet sich im Gegenzug, Microsofts Internet-Technologie anzuwenden. Die treue Gemeinde der Apple-Kunden und -Mitarbeiter war auf der Fachmesse MacWorld Expo in Boston schockiert, als Jobs und Gates per Video-Einspielung den Millionendeal verkündeten.

"Wir müssen uns von der Vorstellung trennen, daß Microsoft verlieren muß, damit Apple gewinnen kann", beruhigte Jobs das buhenden und pfeifende Publikum. "Das Zeitalter des Wettbewerbs zwischen Microsoft und Apple ist vorbei." Damit schlug der Apple- Mitbegründer ein neues Kapitel in der wechselhaften Beziehung zwischen Apple Computer und Microsoft auf.

Vor gut 20 Jahren, in der Gründungsära der PC-Industrie, standen sich beide Unternehmen keineswegs unversöhnlich gegenüber. Das "Computer-Wunderkind" Steve Jobs hatte 1976 mit dem Apple I und 1984 mit dem ersten Apple Macintosh revolutionär einfach zu bedienende Maschinen auf den Markt gebracht. Der junge Bill Gates verhalf dem Macintosh mit Büroprogrammen wie der Tabellenkalkulation Excel oder der Textverarbeitung Word zum Durchbruch. Das Verhältnis kühlte aber merklich ab, als Microsoft sich selbst an die Entwicklung eines grafisch orientierten Programms zu Steuerung des Computers machte und "Windows" auf den Markt brachte.

Hemmungslos kopiert?

Apple warf Microsoft vor, bei der Programmierung von "Windows" hemmungslos beim Macintosh kopiert zu haben. Vor Gericht konnte sich jedoch Apple in einem jahrelang erbittert geführten Rechtsstreit nicht durchsetzen. Steve Jobs attackierte auch nach seinem Rauswurf bei Apple im September 1985 Microsoft immer wieder scharf: "Ich glaube immer noch, daß viele Millionen PC-Anwender ungezwungermaßen einen Computer benutzen, der viel schlechter ist, als er sein sollte", sagte Jobs 1991 zur Windows-Technologie in einem Interview mit "Forbes". In der Auseinandersetzung mit Gates wurde Jobs auch persönlich: "Ich mache mir nichts daraus, einmal der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein.(...) Für mich zählt, daß ich abends, wenn ich mich ins Bett lege, sagen kann, daß wir etwas Wunderbares geleistet haben", erklärte Jobs 1993 im "Wall Street Journal".

Kein anderer Ausweg?

Es muß den Apple-Mitbegründer Überwindung gekostet haben, zum Telefon zu greifen und dem Erzrivalen Gates den Einstieg bei Apple anzubieten. Doch angesichts des ständig sinkenden Marktanteils der Apple-Rechner sah Jobs wohl keinen anderen Ausweg, als die Vormachtstellung von Microsoft zu akzeptieren und statt eines aussichtslosen Wettkampfes eine pragmatische Zusammenarbeit zu suchen.

Versicherungsschein gegen das Kartellamt

Dem Software-Milliardär aus Seattle kam das Angebot wie gerufen. Microsoft sieht sich in den USA gerade in diesen Wochen neuen Vorwürfen ausgesetzt, das Unternehmen habe mit Windows eine derartige Monopol-Stellung erreicht, daß die Kartellbehörden einschreiten und Microsoft eventuell in zahlreiche kleinere Firmen ("Baby-Bills") zerschlagen müßten. Daher ist das Überleben des Macintosh- Betriebssystems nicht nur für Apple, sondern auch für Microsoft ungeheuer wichtig. Gates hat sich mit dem Apple-Engagement einen 150- Millionen-Dollar-Versicherungsschein gegen das Kartellamt gekauft. Und ganz nebenbei ist der Multimilliardär mit dem Überraschungscoup wieder ein Stück reicher geworden. Seine sehr günstig gekauften Apple-Anteile sind wegen des rasanten Kursanstiegs der Aktie nach der Kaufbekanntgabe inzwischen deutlich über 200 Millionen Dollar wert.

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Letzte Änderung: 08.08.1997 00:02 von aj