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Dylan wurde im ersten Jahrzehnt seiner Karriere zu einem Giganten einer neuen Musik, zum Sprachrohr einer Generation. Die nächsten drei Jahrzehnte brachte er immer wieder hervorragende Alben heraus, die wie "Blood On The Tracks" (1975), die Hinwendung zum Christentum mit "Slow Train Coming" (1979), "Infidels" (1983), "Oh Mercy" (1989) und wie "Time Out Of Mind" (1997) von der Kritik auch immer wieder einmütig als solche erkannt wurden. Dazwischen streute er Flops, begab sich auf Irrwege, kehrte aber immer wieder zu seinen Ursprüngen - dem in den 60er Jahren gegossenen künstlerischen Fundament - zurück.

1988 startet die "Never Ending Tour"

Schon damals war abzusehen, dass der Sänger mit der schneidenden Stimme nicht zum Teenie-Idol taugte. Dylan war eher Leitwolf wider Willen; seine Texte trotzten robuster als andere der Vergänglichkeit. Dass er seine Lieder auf der 1988 begonnenen "Never Ending Tour" immer wieder neu erfand, variierte, auf den Kopf und wieder auf die Füße stellte, trug mit dazu bei. Dylan-Konzerte, in der Phase davor oft von nicht vorhersehbarer Qualität, mutierten in unberechenbare Abenteuer: Mal akustisch-sentimental, mal ohrenbetäubende Kakophonie, in denen jedes Instrument gegen das andere anzuspielen schien.

Dylan füllt damit nicht mehr die ganz großen Arenen. Das könnte Vorsatz sein, denn multimedialer Schnickschnack wie bei Madonna, U2, den Rolling Stones und selbst Eric Clapton als Service für die Fans in den hinteren Reihen gibt es bei ihm nicht. Auf der Bühne steht eine Band, und wer sie gut sehen will, muss sich in die ersten Reihen drängeln - so wie früher.

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März 1963: Der junge Bob Dylan

600 Songs in 40 Jahren

Rund 600 Songs hat Dylan in 40 Jahren geschrieben. Von der Hymne an sein Vorbild Woodie Guthrie, "Song To Woody", bis zum dem eigenen Tod ins Auge blickenden "Not Dark Yet" auf "Time Out Of Mind". Über sein Verhältnis zur Musik sagte er schon 1966 in einem Interview in Stockholm: "Es ist mathematisch. Ich benutze Worte, wie die meisten anderen Leute Zahlen benutzen. Das ist das, was ich am besten kann." Im autobiografischen "Tangled Up In Blue" singt er Jahre später auch unter Anspielung auf seinen bürgerlichen, deutschstämmigen Namen: "Some are mathematicians/Some are carpenters' wives .... But me, I'm still on the road/Heading for another joint."

Dylans Verweigerung, sich außerhalb seiner Musik zu erklären, hat eine neue Wissenschaft mit zahllosen Exegeten hervorgebracht: "Dylanology", der der "Rolling Stone" (amerikanische Ausgabe) kürzlich einen langen Text unter der Überschrift: "Tangled Up in Bob" widmete. Zum 60. Geburtstag erscheinen die "Back Pages: The Definitive Encyclopedia of Bob Dylan" von Oliver Trager, 1.179 Seiten dick. Andere Fans vergleichen die Variationskunst des Meisters: Von "All Along The Watchtower" wurden bis zum 1. Januar von Glen Dundas in der Sammlung "Tangled Up in Tapes" 1.125 Live-Darbietungen gezählt.

Dylans Fans werden es vielleicht irgendwann erleben, dass ihr Idol doch noch den Literaturnobelpreis bekommt. Wer es geschafft hat, dass sich Tausende rund um den Globus mit seiner Lyrik so ausgiebig beschäftigen, hätte ihn sicherlich verdient.

Uwe Käding, AP

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