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RZ-Serie

Tourismus/Tipps

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Grußkarten


1: Oh Ruinen!

2: Loreley-lei-lei

3: Chef Brentano

4: Bettine - fliege!

5: Goethes Lust

6: Liebestod

7: Wilder Schlegel

8: Vicomte Hugo

9: Liebe Revoluzzer

10: Dichterkönigin

11: ...und Gesang

12: Strom-Mythos


...Schau mal r(h)ein

Am Anfang standen mal wieder die Römer. Sie nutzten den Fluss in erster Hinsicht rein ökonomisch.

Schließlich musste die eroberte Region mit Getreide, Ton, Metallen, Erzen, Steinen, Tuch, Wein versorgt werden. Der Rhein als Transportweg, auf dem schon bald Mythen transportiert wurden. Gott ("Deus Rhenus") und Vater war er. Ausonius, von der Mosel her kommend, besingt das Gewässer im vierten Jahrhundert als großen himmelfahrenden Bruder, der die kleinen zufließenden Geschwister umarmt. Immer wieder bildeten sich in den folgenden Jahrhunderten Sagen heraus. Der Fluss, freundlich und böse zugleich, Menschen ernährend und verschlingend, er wird gefürchtet wie bewundert. Er weckt Gefühle von Freiheit und natürlichem (Reben- )Reichtum.

Vollmond-beschienene Burgen, umnebelte Ruinen: Ein Reich für Engländer

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Auf der Vielvölkerstraße wandelten Kaiser, Kaufleute, Ordensvertreter. Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts wurde der Grundstein zur Rheinromantik gelegt. Der 25 Jahre alte Goethe reiste 1774 mit den Herren Lavater (Schweizer Philosoph, Autor, Theologe) und Basedow (deutscher Pädagoge) per Schiff von Ems nach Koblenz, Köln, Düsseldorf. Burgen, Schlösser, die Vorstellung der vergangenen Ritterzeit begeisterten. Gedichte, Reisebeschreibungen, Märchen und Sagen entstanden.

Den Stein richtig ins Rollen brachten die Engländer. Sie entdeckten die landschaftlichen Reize des schroff- schiefrigen Rheintals, gaben sich voll der Stimmungslage namens "Gothic Mood" hin. Vollmond- beschienene Burgen, umnebelte Ruinen, alte Kirchen, mittelalterliche Gassen lösten melancholische Empfindungen, schaurige Vorstellungen aus. Mehr und mehr wurde der Mittelrhein - vom Binger Mäuseturm bis zum Drachenfels/Rolandsbogen - d a s Reiseziel schwärmerisch veranlagter englischer Touristen.

Vor 200 Jahren schlug die Geburtsstunde der Rheinromantik

Die Geburtsstunde der Rheinromantik schlug im Jahr 1802. Der Dichter Friedrich Schlegel machte vor 200 Jahren am Rhein Station, hielt seine Eindrücke zwei Jahre später schriftlich fest: "Überall belebt durch die geschäftigen Ufer, immer neu durch die Windungen des Stroms und bedeutend verziert durch die kühnen, am Abhange hervorragenden Bruchstücke alter Burgen, scheint diese Gegend mehr ein in sich geschlossenes Gemälde und überlegtes Kunstwerk eines gebildeten Geistes zu sein, als einer Hervorbringung des Zufalls zu gleichen." Auch die Autoren Clemens Brentano (Brief aus Koblenz, 1802: "Am Rheine schweb ich her und hin") und Achim von Arnim bereisten damals die Flussebene, wanderten zu den Ruinen, entdeckten die mittelalterliche Sagenwelt, schufen neue Gedichte und Mythen.

Eigentlich hätte man schon vor zwei Jahren das Jahr der Rheinromantik ausrufen können. Denn bereits im Jahr 1800 hatte Brentano diese berühmten Verse verfasst: "Zu Bacharach am Rheine / Wohnt eine Zauberin, / Sie war so schön und feine / Und riß viel Herzen hin." Das Gedicht erschien 1801 im "Godwi"- Roman und begründete den "Lore- Lay"- Kult - gefühlsselige Romantik in R(h)einkultur. Da stürzt sich besagte "Zauberin" in den Tod, weil ihr Geliebter sie verlassen hat. Sagen- umwobener Fels: 1810/11 dann hütet "Lureley" "der Nibelungen Hort"; dieser wurde laut Brentanos "Rheinmärchen" einst dort versenkt.

Auch "Frankensteins" Erfinderin, Mary Shelley bewunderte Varter Rhein

Weltweit bekannt machte Heinrich Heine die sich kämmende blonde Schönheit 1823: "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, / Daß ich so traurig bin; / Ein Märchen aus uralten Zeiten, / Das kommt mir nicht aus dem Sinn." Noch heute erklingt das von Friedrich Silcher vertonte Lied bei jeder Schiffstour immer dann, wenn der Schieferfelsen erreicht wird. In Heines Geschichte von der "schönsten Jungfrau" gilt diese als Verkörperung geheimnisvoller Naturkräfte, von Liebes- und Untergangssehnsucht. "Mit wundersamer, gewaltiger Melodei" zieht sie die Blicke der Schiffer an. Diese übersehen gefährliche Felsriffe - "die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn. Und das hat mit ihrem Singen die Lore- Ley getan." Immer neue Versionen der fantastischen Geschichte ließen sich die Romantiker einfallen. Eichendorff sah in der "Lorelay" 1812 schlichtweg eine Hexe.

Die Engländer zog das verlockende Tal in immer größeren Scharen an. Für einen kräftigen Schub sorgte Lord Byron, der im Frühling des Jahres 1816 auf einer Fahrt rheinaufwärts jene Zeilen seines "Childe Harold" niederschrieb, die zu den Höhepunkten poetischer Verehrung dieser Region zählen. Seine Verse begleiteten Landsleute fortan bei ihren Rheinreisen. Mary Shelley, Verfasserin des Schauerromans "Frankenstein" und bekennende Romantikerin, beschrieb den Rhein 1818 als einen "paradiesischen Fluss". Maler (so William Turner, Clarkson Stanfield), Vedutenzeichner wie Stahlstecher zog es von der Insel an den meistbesungenen wie umversten Strom.

In zwei Wochen von Köln nach Mainz

Von Köln nach Mainz brauchte man zunächst noch zwei bis drei Wochen. Stromaufwärts ging es halt nur mühsam voran; Treidelkähne wurden von der Muskelkraft der Pferde gezogen. Die Talfahrt erledigte sich dagegen in vier bis fünf Tagen. Die industrielle Revolution, von England ausgehend, machte im wahrsten Sinne des Wortes Dampf. Eine von James Watt erfundene Maschine trieb 1817 das erste Rheinboot an - Pferdegespanne waren damit noch nicht aus dem Rennen. Diese Erfindung bot dem jungen Tourismus endlich ein geeignetes Verkehrsmittel. Die Preußisch- Rheinische- Dampfschiffahrtsgesellschaft ermöglichte es von 1827 an, die Strecke Köln- Mainz in 83 Stunden zurückzulegen; 1853 verkehrte die Weiße Flotte ("KD") auf dem Rhein. Das Tal wurde außerdem von der Eisenbahn erschlossen. Davon hätte der französische Parade- Romantiker Victor Hugo profitieren können. Als dieser 1840 die Landschaft mit Feder, Tusche und Zeichenstift eroberte, ging es schon recht zügig voran. Doch der Verfasser von "Le Rhin" empfahl: "Träumt, ihr jungen Leute, und wandert. Nichts ist reizender als diese Art zu reisen. Zu Fuß!" Der Mäuseturm mit seiner schaurigen Sage um den Mainzer Bischof Hatto hatte es ihm ebenso angetan wie verwunschenes Burgengemäuer und Ruinen, in denen sich Nixen, Elfen, Ungeheuer tummeln. Im Nebel, Dämmerlicht, bei schummrigem Mond verwischte der Autor des "Glöckner von Notre Dame" (1831) Wahrheit und Legende.

Hier war Goethe 1814/15 zu Gast

Rheinromantik auf die englische, französische Art dort - Rheinromantik à la Dichtung aus heimischen Landen hier. Auf eine zentrale Örtlichkeit stößt der Spurensucher dabei automatisch. Auf das Brentanohaus in Winkel. Hier war Goethe 1814/15 zu Gast, verfasste sein "Sankt Rochus- Fest zu Bingen". Hier wirkte und wirbelte eine "kleine schwarze Wildkatze" (so wurde Bettina Brentano, spätere von Arnim, einmal genannt). Gerne schlief sie auf Mauern, unternahm Kahnpartien im Mondschein. Genau hier, wo Bruder Clemens und die Gebrüder Grimm verkehrten, schlug das Herz der romantischen Bewegung. Kein Weg darf an der Wiege und Quelle vorbeiführen.

Wolfgang Kröner


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Zuletzt geändert am 1. Februar 2002 16:42 von to

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