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8: Vicomte Hugo

9: Liebe Revoluzzer

10: Dichterkönigin

11: ...und Gesang

12: Strom-Mythos


10: Rendezvous romantischer Seelen

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Die Dichterkönigin Carmen Sylva, wie sie der Fotograf Franz Mandy sah. Foto: Publikation des Kreismuseums Neuwied

Sie war die Dichterkönigin Elisabeth zu Wied, die als rumänische Herrscherin ebenso für Schlagzeilen sorgte wie unter ihrem Künstlernamen Carmen Sylva. Die Begegnung mit August Bungert, bekannter Komponist seiner Zeit, war ein Déjà-vu zweier Seelenverwandter. Gemeinsam besangen sie in Wort- und Tondichtungen noch einmal die Schönheit des Rheins, als all das Schwärmerische schon zu Klischees, Kitsch und Kommerz gerann.

Musenhof im Neuwieder Schloss

Heines Loreley-Verse waren bereits 20 Jahre alt, da wurde Prinzessin Elisabeth zu Wied 1843 im Neuwieder Schloss geboren. Die Residenz hatte sich im 18. Jahrhundert zu einem Musenhof entwickelt, selbst Goethe schaute gerne mal vorbei. Die junge Prinzessin pflegte die Musen; doch erst nach der Märchenhochzeit mit König Carol I. von Rumänien und dem Tod ihrer Tochter Marie (1874) scheint sie das Schreiben professioneller betrieben zu haben: Allein zwischen 1880 und 1912 wurden rund 70 Werke, zumeist Lyrik, Erzählungen, Theaterstücke und Romane, publiziert.

Schnell wuchs die fremde Königin zur beliebten rumänischen Landesmutter, deren Engagement der Frauensache ebenso galt wie den Kranken und Waisen. Sozialreformerische Ambitionen waren ihr Antrieb, galt es doch, die sozialen und ökonomischen Verhältnisse der unterprivilegierten Schichten sowie die Bildung von Mädchen und Frauen zu verbessern.

Dichterkönigin oder "Dichteritis" mit poetischem Blech?

Auch wenn die Dichterkönigin weit entfernt von ihrer rheinischen Heimat lebte und nur zeitweise in Neuwied weilte, so galt ihre literarische Liebe doch der rheinischen Landschaft. Gerade in den Gedichten ist diese Sehnsucht nach Bergen und Burgen, stillen Wegen und trauten Weilern zu spüren: Romantisches Träumen, wehmütig- dramatische Verse, inniges Erleben von Landschaft und Natur bestimmten die Lyrik der adeligen Autorin, deren Werk an die Rheinromantik anschließt, ohne dieser jedoch neue Kraft und Fantasie verliehen zu haben. Immerhin: Sie hatte viele Freunde, das Publikum schien sie zu lesen und zu lieben, wie die zahlreichen Auflagen belegen. Dabei war der literarische Wert ihres OEuvres schon zu Lebzeiten nicht ganz unumstritten. Kaiser Wilhelm II. spottete, sie leide unter "Dichteritis". Und der Gesandte in Bukarest, Alfred von Kiderlen- Waechter, äußerte mit spitzer Zunge: ". . . die Gedichte gehen über meinen Horizont; ich fürchte, sie sind trotz der nicht zu leugnenden poetischen Form Blech".

Gleichklang der Herzen

Wirkung zeigten die Verse Carmen Sylvas jedenfalls durch die Musik August Bungerts, eines Komponisten, der vor dem Ersten Weltkrieg große Erfolge feierte. 1869 noch Chorleiter in Bad Kreuznach, erlebte er wenig später seinen Durchbruch mit dem Ersten Preis des "Florentiner Quartetts" - in der Jury saß Johannes Brahms. Bungert zog es immer wieder nach Italien, wo sich Dichterin und Komponist - er 38, sie 40 Jahre - trafen. Ein Musenkuss, Gleichklang der Herzen aus gemeinsamer Verankerung in der romantischen Tradition und der Liebe zur Antike.

In lebenslanger Freundschaft verbunden, entstanden in den nächsten Jahren rund ein halbes Hundert der aus rheinischem Temperament heraus geborenen Gesänge. Texte und Musik sind dabei von ganz unterschiedlicher Qualität, so die Bungert- Biografin Hildegard Emilie Schmidt, sie reichten von Gelegenheitskompositionen bis hin zu fantasievollen, "wohlgelungenen Werken". Seit 1890 feierten Publikum und Kritik in deutschen Konzertsälen das Liedschaffen Bungerts und damit Carmen Sylvas romantische Rheinreime.

Bungert war ein gemachter Mann

Jetzt war Bungert ein gemachter Mann, es zog ihn noch näher an den Rhein und das wiedische Fürstenhaus: 1894 schenkte ihm Carmen Sylva ein Häuschen am Leutesdorfer Rheinufer, das er zum schmucken Künstlerdomizil ausbaute. Häufige Besuche in den Fürstensitzen Segenhaus und Monrepos, Musikunterricht für die Fürstenfamilie - das wiedische Land, wie in seinem Zyklus "Mein Rhein" beschrieben, wurde ihm zur Heimat und letzten Ruhestätte. Er starb 1915 in Leutesdorf, Carmen Sylva nur ein Jahr später in Rumänien. Das schöpferische Rendezvous der beiden romantischen Seelen aber ist heute fast vergessen.

Michael Stoll


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Zuletzt geändert am 19. Maerz 2002 13:08 von tea

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