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Grußkarten


1: Oh Ruinen!

2: Loreley-lei-lei

3: Chef Brentano

4: Bettine - fliege!

5: Goethes Lust

6: Liebestod

7: Wilder Schlegel

8: Vicomte Hugo

9: Liebe Revoluzzer

10: Dichterkönigin

11: ...und Gesang

12: Strom-Mythos


3: Brentano und "Sein Reich ist in den Wolken"

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Zu den schwärmerisch gesinnten Rheinbesuchern zählten schon lange vor der eigentlichen Romantik die Niederländer. Hier eine fantastische Flusslandschaft mit rheinischen Motiven von Willem Troost (1684-1759). Auch im 19. Jahrhundert gingen Maler gerne in dieser sehr freien, "wilden" Art zur Sache.

Jede Bewegung hat ihren Motor. Wer von Rhein- Romantik spricht, denkt automatisch an Clemens Brentano. Der hat schließlich im Jahre 1800 das "Lore- Lay"- Gedicht "Zu Bacharach am Rheine" verfasst, die Zauberin vom Felsen besungen und damit einen Mythos begründet. Das Lied von der betörenden Frau geht in seinen Roman "Godwi" ein.

Der schwammige Begriff Romantik, heute immer dann verwandt, wenn man an Gefühle denkt, er erhält in der Person des 1778 in Ehrenbreitstein (Koblenz) geborenen Dichters klare Konturen. Landschaftsbegeisterung, Reiselust, Patriotismus, Verehrung des Mittelalters (und seiner Burgen und Städte), Hinwendung zum Katholizismus, die Liebe zu Märchen und Mythen, Volksnähe - all dies findet sich bei Clemens Brentano wieder.

Achim von Arnim war sein "Herzbruder"

Das typisch Schwärmerische klingt aus einem "Brief aus Koblenz", 1802 verfasst. "Am Rheine schweb ich her und hin / Und such den Frühling auf" schreibt Brentano aus der "Tiefe meiner Brust". Den Sohn eines aus der Lombardei stammenden Frankfurter Bankiers verband so gar nichts mit nüchternem Geschäftssinn und wohl geordneter Großbürgerlichkeit. 1798 ging er nach Jena, der Herzstelle der jüngeren Romantik. Dort war August Wilhelm von Schlegel als Professor tätig. Mit seinem Bruder gab dieser die romantisch orientierte Zeitschrift "Athenäum" heraus.

Vater Rhein als Lebensader einer Wunderwelt

Clemens Brentano

Eine enge Freundschaft verband Clemens Brentano mit Achim von Arnim. Der bedeutendste Lyriker der deutschen Romantik gab mit diesem seinen "Herzbruder" die besonders einfühlsame Nachdichtung mittelalterlicher Volkslieder unter dem Titel "Des Knaben Wunderhorn" heraus. Diese Gedichte atmeten, dieser volkstümliche Stil verströmte Poesie pur. Der Dichter liebte das frei schwebende Fabulieren - seine "Rheinmärchen" geben Zeugnis davon. Da gibt die Liebe zum Fluss den Grundakkord an; der Strom selbst dient als Lebensader einer Wunderwelt. Da kommt die Loreley ebenso vor wie Bischof Hatto von Mainz (eng verflochten mit der Sage rund um den Binger Mäuseturm). Bei Brentano liegt das Geheimnisvolle und Wunderbare im Erzählten selbst - es geht einzig um schöpferische Fantasie.

Brentano sei kein Dichter, sondern selbst ein Gedicht

"Sein Reich ist in den Wolken, nicht auf der Erde", schrieb ihm Goethes Mutter einmal ins Stammbuch. Kollege Eichendorff sagte, ebenso treffend, Brentano sei kein Dichter, sondern selbst ein Gedicht, "ein Volkslied, das oft, unbeschreiblich rührend, in sein Gegenteil überwechselte und sich in überraschende Sprüngen fortbewegte". Ruhelosigkeit und Sprunghaftigkeit, eine gewisse Zerrissenheit kennzeichnen das Wesen dieses Halbitalieners.

"Du und ich sind außer aller Ordnung"

Im Laufe seines Lebens wurde die Sehnsucht nach Dämonischen und Magischem immer stärker. Zum katholischen Glauben kehrte er zurück, lebte fünf Jahre zurückgezogen bei einer stigmatisierten Nonne in Dülmen bei Münster. Ihre Visionen zeichnete er auf, gestaltete sie zu viel gelesenen Andachtsbüchern.

"Du und ich sind außer aller Ordnung", schrieb er einmal an seine Schwester Bettina (auch Bettine genannt). Die Frau Achim von Arnims antwortete in eben dieser Tonart: "Meine Seele ist eine leidenschaftliche Tänzerin, sie springt herum nach einer inneren Tanzmusik, die nur ich höre und die anderen nicht." Er allerdings, ihr 1842 verstorbene Bruder, wird diese Tanzmusik, diese in Träumen verankerte Melodie ebenfalls vernommen haben.

Wolfgang Kroener


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Zuletzt geändert am 1. Februar 2002 17:42 von to

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