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Grußkarten


1: Oh Ruinen!

2: Loreley-lei-lei

3: Chef Brentano

4: Bettine - fliege!

5: Goethes Lust

6: Liebestod

7: Wilder Schlegel

8: Vicomte Hugo

9: Liebe Revoluzzer

10: Dichterkönigin

11: ...und Gesang

12: Strom-Mythos


4: Bettine - fliege, so weit deine Flügel tragen

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Das Brentanohaus in seinen Anfängen (Federzeichnung) - heute noch gibt's in diesem Gebäude jeden Sommer Salonkultur.

Geschichte macht fest an Menschen. Aber auch an Orten. Rhein- Romantik, das heißt Loreley. Natürlich. Oder Mäuseturm. So richtig greifbar, menschlich, wird die Bewegung aber nur an einem Ort im Rheingau. Winkel, unweit Rüdesheim und in Sichtweite von Bingen gelegen, gilt als Wiege für den gewissen Zeitgeist. Zentralfigur des Hauses: Bettina Brentano, spätere von Arnim, die sich selbst (in Briefen) Bettine nannte.

Meist ist alles weg, was so vor 200 Jahren schön und prächtig das Ortsbild markierte. Ist nur in Gemälden und Zeichnungen sichtbar. Das Schöne am Haus in Winkel: Es steht noch da, kann (gegen Voranmeldung) besichtigt werden, enthält alte Möbel und Original- Porträtgemälde, eine Bibliothek mit Früh- und Erstausgaben der Romantiker, Dekorationen und Gardinen (wie) von damals und viele andere "antike" Schätzchen. Es atmet voll den Geist von gestern. Udo Baron von Brentano führt dort ein Weingut - die "Baron von Brentano'sche Gutsverwaltung". Zu Sommerzeiten steht seit Jahren Salonkultur auf dem Programm - ganz so, als wäre Bettine noch da. Kredenzt werden seit vielen Jahren (Goethe- )Wein, Musik und Literatur. Den bis dato verwunschenen "Brentanopark" gegenüber des Hauses baut die Stadt bis zum Herbst als Kulturzentrum aus.

Bettine, die ständig aus der Reihe tanzte

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Sie wurde 1785 in Frankfurt als 13. Kind des Kaufmanns Peter Anton (Pietro Antonio aus Italien) Brentano geboren: Bettina(e) Brentano (Bild, alter "Fünfer"), Schwester von Clemens Brentano. Mit Frau Rat Goethe befreundet, nach Heirat mit Achim von Arnim (1811) wurde ihr Haus zu einem Treffpunkt von Autoren (Brüder Grimm, Tieck, Schleiermacher). Starkes soziales Engagement, pro Emanzipation der Frau. 1859 in Berlin verstorben.

Einst, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, war dies die Sommerresidenz von Bettines Stiefbruder Franz Brentano und seiner Frau Antonie, Mitbesitzer eines Frankfurter Handels- und Bankhauses. Bettine (ihr Konterfei ziert übrigens unseren guten alten Fünf- Mark- Schein), liebte dieses Haus. "Auf dem prächtigen Rheinspiegel in Mondnächten dahinzugleiten und singen, wie das Herz aufjauchzt; allerlei lustige Abenteuer bestehn in freundlicher Gesellschaft, ohne Sorgen aufzustehen, ohne Zorn zu Bette zu gehen, das ist so eine Lebensperiode, in der ich mitteninne stehe." Rheinromatisches, nachgelesen bei Bettine, nacherlebt im Brentanohaus in Winkel, "Am Lindenplatz 2". Die geistige Führerin der jungen Gefühlsbewegung schrieb diese Zeilen an Goethes Mutter. Die Gedanken gehen zurück an die kleine schwarze Wildkatze, die hier ihren impulsiven Gefühlen, plötzlichen Gelüsten spontan nachgab; die bei Nacht öfter mal auf einer Mauer schlief, Kahnpartien im Mondschein unternahm.

Eine Frau, die am liebsten Kind war

INFOS:
Spezialprogramm zum Jahr der Rhein- Romantik im Brentanohaus, Am Lindenplatz 2 (ausgeschildert), zwischen Mai und September: 06723/2068, Fax 87792. Führungen durch historische Räume mit Goethezimmer tel. erfragen.
http://www.brentanohaus.de/frame.htm
E-Mail : brentanohaus@aol.com

Das Grundmotiv ihres Lebens war der Tanz. Sie tanzte nicht nur konsequent aus der Reihe, sie bewegte sich auch in mancherlei Beziehung im Tanzschritt. Und damit verband sich sicher eine (symbolische) Form der Romantik schlechthin. Lassen wir Bettine zu Wort kommen: "Aber meine Seele ist eine leidenschaftliche Tänzerin, sie springt herum nach einer inneren Tanzmusik, die nur ich höre und die anderen nicht. Alle schreien, ich soll ruhig werden und du (gemeint ist Bruder Clemens) auch, aber vor Tanzlust hört meine Seele nicht auf euch, und wenn der Tanz aus wär, dann wär's auch aus mit mir." Sie, die Frau, die am liebsten Kind war, hob gerne ab: "Klemme nicht deine Flügel ein, fliege so hoch und so weit dich deine Flügel tragen."

Hier gingen Freunde und Geistesverwandte ein und aus

Auch Bruder Clemens fand ein oder zwei Mal den Weg in den romantischen Winkel. Freunde, Bekannte, Geistesverwandte gingen ein und aus: so die Gebrüder Grimm oder Caroline von Günderode (sie nahm sich 1806 vor Liebeskummer am Rheinufer bei Winkel das Leben). Der berühmte Geheimrat war später ebenfalls zu Gast (1814/15), hatte den Fluss voller Begeisterung bereist (so 1774). Unser Klassik- Chef genoss die Gastfreundschaft im Haus Am Lindenplatz. Auch er zeigte sich, zumindest zeitweise, von rhein- romantischem Gedankengut infiziert.

Wolfgang Kroener


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Zuletzt geändert am 1. Februar 2002 17:42 von to

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