IVWPixel Zählpixel

  Kino    Musik    Lifestyle    Reise    Übersicht 

Home     Kontakt     Site Map  

[?] [an error occurred while processing this directive]


RZ-Serie

Tourismus/Tipps

Termine/Aktuelles

Grußkarten


1: Oh Ruinen!

2: Loreley-lei-lei

3: Chef Brentano

4: Bettine - fliege!

5: Goethes Lust

6: Liebestod

7: Wilder Schlegel

8: Vicomte Hugo

9: Liebe Revoluzzer

10: Dichterkönigin

11: ...und Gesang

12: Strom-Mythos


6: Irrungen und Wirrungen der Liebe

Anklicken zum Vergrößern
Der Rhein bei Bingen, mit Mäuseturm und Burg Ehrenfels. C.G. Schütz schuf das Werk 1820

Wer von ihr spricht, denkt an die tragische Seite des Lebens. Das Dunkle saß in ihr - und damit war sie eine typische Romantikerin. Das Dunkle griff nach ihr: Mit gerade mal 26 Jahren beging Karoline von Günderrode (1780-1806) Selbstmord, erdolchte sich aus Kummer direkt am Rhein bei Winkel. Ein klassischer romantischer Liebestod war's, ausgeführt im Zentrum der Rhein- Romantik.

Die zu Unrecht vergessene Dichterin erhielt nicht nur ein literarisches Denkmal. Bettine Brentano gab 1840 den Briefroman "Die Günderrode" heraus, schilderte darin die Geschichte ihrer unglücklichen Liebe zu dem Heidelberger Altertumswissenschaftler Georg Friedrich Creuzer. Ihren Werken, den Zeugnissen von Zeitgenossen, widmete sich Christa Wolf im Jahre 1979. Der Titel dieses Werks - "Der Schatten eines Traumes" - umreißt die Persönlichkeit der als Günderrode in die Literaturgeschichte eingegangenen Frau am besten.

Eine Dreieckskonstellation

"Der Schatten eines Traumes": Karoline von Günderrode.

Und so war das: Im Sommer 1804 traf Karoline jenen Philologen namens Creuzer, der - aus Pflichtgefühl, wie er sagte - mit der 13 Jahre älteren Witwe seines einstigen Professors verheiratet war. Ein leidenschaftliches Verhältnis begann. Er wollte sich (angeblich) scheiden lassen, dann wieder wurde ein Zusammenleben zu dritt erwogen, es klangen sogar Gedanken an einen gemeinsamen Selbstmord an. Alle Irrungen und Wirrungen einer Dreieckskonstellation wurden durchlebt. Creuzers "entschieden erklärter Wille ist es (dann), dass das Verhältnis aufgehoben, dass es vernichtet sei". Daraufhin der Günderrode Entschluss, dieses Leben zu verlassen.

Die erste Liebe mochte ihre "unweibliche" Intellektualität nicht

"Sie geht aus dem Nicht- Leben, nicht aus dem Leben" schreibt Christa Wolf über diesen Selbsttmord, dessen Anlass (nicht seine Ursache) eine unglückliche Liebe war. Schon zuvor scheiterte ein Versuch in Richtung Ehe - zarte Bande zwischen ihr und Jura - Professor Friedrich Carl von Savigny wurden entflochten (siege auch Gedicht der Woche auf dieser Seite). "Es ist ja das einzige, was ich von ihm haben kann: Der Schatten eines Traumes", schrieb sie. Der Jura- Professor mochte ihre "unweibliche" Intellektualität einfach nicht. "Mein Leben ist so leer, ich habe so viele langweilige und unausgefüllte Stunden", teilte die Unglückliche Bettine Brentanos Schwester Gunda mit. Und: "Ist es nur die Liebe, die in diese dumpfe Leerheit Leben und Empfindung gießt? . . . Es ist hier eine Lücke in meiner Seele; umsonst suche ich sie zu erfüllen, umsonst sie wegzuraisonnieren."

In die Falle der Liebe geraten

Bettine: Die Zeit heilt Wunden
Über den Tod der guten Freundin Günderrode schreibt Bettine von Arnim geb. Brentano aus dem Haus in Winkel:
"Da lag der herrliche Rhein mit seinem smaragdenen Schmuck der Inseln; da sah ich die Ströme von allen Seiten dem Rhein zufließen und die reichen friedlichen Städte an beiden Ufern und die gesegneten Gelände an beiden Seiten; da frage ich mich, ob mich die Zeit über diesen Verlust beschwichtigen werde, und da war auch der Entschluß gefasst, kühn mich über den Jammer herauszuschwingen."

Irgendwo hat es nicht geklappt in und mit ihrem Leben - sie begab sich 1797 mit gerade mal 17 Jahren nach Frankfurt in ein evangelisches Damenstift, stürzte sich später, wie beschrieben, quasi halsüberkopf in die Liebe, geriet dabei wie in eine Falle. Und die Falle schnappte zu. Man muss ihr Leben kennen, um die Dichtung (unter dem männlichen Pseudonym Tian veröffentlichte Lyrik, Prosa, Dramen, philosophische Abhandlungen) zu verstehen. Konträr zur Bekannten/Freundin Bettine Brentano (von Arnim), die sehr individuelle (weibliche) Wege ging, orientierte sich die Günderrode an männlichen Idolen. Beispielsweise an düsterer Natur- und Landschaftsschilderung Ossians. Diese entsprachen allerdings nicht ihrer Lebenswirklichkeit: "Wenn ich lese, was ich vor einiger Zeit geschrieben habe, kommt es mir vor, als läge ich in einem Sarg."

Unterm Strich: Ihr Leben, ihre Dichtungen bilden ein bedeutendes Kapitel früher (Rhein- )Romantik

Wolfgang Kroener


Zum SeitenanfangZum Seitenanfang

 Suche in RZ-Online

 RZ

Web


 Was läuft im Kino? 

 Was läuft sonst? 


[?]

Zuletzt geändert am 1. Februar 2002 17:08 von to

» Artikel druckenDruckversion
» Schriftgröße einstellen
» Impressum