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Grußkarten


1: Oh Ruinen!

2: Loreley-lei-lei

3: Chef Brentano

4: Bettine - fliege!

5: Goethes Lust

6: Liebestod

7: Wilder Schlegel

8: Vicomte Hugo

9: Liebe Revoluzzer

10: Dichterkönigin

11: ...und Gesang

12: Strom- Mythos


7: Wilde Natur, schroffe Felsen und große Heldentaten

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Exakt zum Schlegeltext passend diese fantastische Rheinlandschaft von Fritz Bamberger (1845 entstanden).

Er steht am Anfang: Wenn ein Jahr lang der 200. Geburtstag der Rhein-Romantik gefeiert wird, dann markiert eine Reise des Romantikers Friedrich Schlegel vom Sommer 1802 den Mittelpunkt. Schroffe Felsen, Ruinen, Burgen, Raubschlösser - wilde Natur und große Heldentaten hatten es ihm angetan.

Jener Friedrich Schlegel (1772-1829), Pastorensohn aus Hannover und später wie viele seiner Autoren- Kollegen zum Katholizismus konvertiert, er galt als treibender Geist des Jenaer Romantikerkreises. Typisch für diese Bewegung das sprunghafte, von Unruhe geprägte Wesen ihrer Auslöser, Motoren. Schlegels dichterisches Vermögen ist nicht allzu hoch einzuschätzen. Seine Bedeutung liegt in theoretischen Schriften, in Reflexionen, Fragmenten. Zusammen mit Bruder August Wilhelm und Schelling, Tieck, Novalis gab er das Athenäum, Programmschrift der Frühromantik, heraus. Seine eigentümliche Ausdrucksform fand der Kritiker, der Kunst, Geschichte und Philosophie verband, in zugespitzten, scharf geschliffenen Aphorismen. Zutiefst romantisch auch sein im Roman "Lucinde" postuliertes Plädoyer für freie Liebe.

Friedrich Schlegel

Statt vieler Worte ein Auszug aus Friedrich Schlegels "Rheinfahrt". Wer bis dato nicht wusste, was Rhein- Romantik bedeutet - hier steckt alles drin:

Herrlichste Denkmale

"Bei dem freundlichen Bonn fängt die eigentlich schöne Rheingegend an; eine reich geschmückte breite Flur, die sich wie eine große Schlucht zwischen Hügeln und Bergen eine Tagereise lang hinaufzieht bis an den Einfluss der Mosel bei Koblenz; von da bis St. Goar und Bingen wird das Tal immer enger, die Felsen schroffer, und die Gegend wilder; und hier ist der Rhein am schönsten.

Überall belebt durch die geschäftigen Ufer, immer neu durch die Windungen des Stroms, und bedeutend verziert durch die kühnen, am Abhange hervorragenden Bruchstücke alter Burgen, scheint diese Gegend mehr ein in sich geschlossenes Gemälde und überlegtes Kunstwerk eines bildenden Geistes zu sein, als einer Hervorbringung des Zufalls zu gleichen . . .

Man betrachtet solche Ruinen alter Burgen entweder nur mit einer oberflächlichen ästhetischen Rührung, als den unentbehrlichen romantischen Hintergrund für allerlei beliebige moderne Gefühle, oder man sieht darin nur Raubschlösser, welche nach angeordnetem Landfrieden zerstört worden sind und zerstört werden mussten, unstreitig waren das viele, vielleicht die meisten von denen, deren Trümmer man jetzt noch sieht, aber man sollte nicht immer und überall nur die letzte Entartung mit der Sache selbst verwechseln, und so sich selber den Sinn für die herrlichsten Denkmale der Vergangenheit abstumpfen. Wie ganz anders muss es erst sein, immer da zu wohnen und zu sein, wo wir jetzt einmal an seltenen Tagen mühsam hinaufsteigen, um doch auch einmal zu fühlen, wie einem zu Mute sein muss, der da lebt und in Freiheit atmet; immer die Erde vor sich zu sehen in ihrem reichen Schmuck, in allen Zeiten des Tages und des Jahres, wo alles sich deutlicher und merkwürdiger zeigt, das Ziehen der Wolken, das Aufblühen des Frühlings, mondhelle Nacht, ja selbst Ungewitter, und die weißen Felder des Winters. Für mich sind nur die Gegenden schön, welche man gewöhnlich rau und wild nennt; denn nur diese sind erhaben, nur erhabene Gegenden können schön sein, nur diese erregen den Gedanken der Natur.

Begierde der Freiheit

Jene Felsen aber, die wie sprechende Denkmale von den alten Kriegen im Reiche der noch wilden Natur da stehen, von den furchtbaren Kämpfen der in ihrer Gestaltung gewaltsam ringenden Erde so deutlich reden, sind ewig schön, und machen immer den gleichen, nie ermattenden Eindruck. Wie das Rauschen des Waldes, das Brausen der Quelle uns ewig in dieselbe Schwermut versenkt, wie das einsame Geschrei wilder Vögel eine schmerzliche freudige Unruh und Begierde der Freiheit ausdrückt, so fühlen wird in dem Anblick der Felsen immer die Natur selbst; denn nur in den Denkmalen alter Naturzeiten, wenn Erinnerung und Geschichte in großen Zügen vor unser Auge tritt, tun wir einen Blick in die Tiefe dieses erhabenen Begriffs, der nicht beim Genuss der angenehmen Oberfläche schon hervortreten mag.

Nichts aber vermag den Eindruck so zu verschönern und zu verstärken als die Spuren menschlicher Kühnheit an den Ruinen der Natur, kühne Burgen auf wilden Felsen - Denkmale der menschlichen Heldenzeit, sich anschließend an jene höheren aus den Heldenzeiten der Natur; die Quelle der Begeisterung scheint sich sichtbar vor unsern Augen zu ergießen, und der alte vaterländische Strom erscheint uns nun wie ein mächtiger Strom naturverkündender Dichtkunst . . ."

Wolfgang Kroener


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Zuletzt geändert am 19. Maerz 2002 13:08 von tea

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