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8: Vicomte Hugo

9: Liebe Revoluzzer

10: Dichterkönigin

11: ...und Gesang

12: Strom-Mythos


9: Revolutionär war auch Romantiker

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Die Liebe, der Wein und der Rhein: Ferdinand Freiligrath im Porträt.

Er war Westfale, ein Lehrersohn aus Detmold: der Dichter Ferdinand Freiligrath. Aber dann ließ er sich heftig von der allgemein grassierenden Rheinbegeisterung in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts infizieren.

Man schrieb das Jahr 1839. Ferdinand Freiligrath steuerte Unkel an, bezog ein noch heute zu besichtigendes Barockhaus an der Rheinpromenade. "Ein Belvedere hart am Rhein, um das mich ein Fürst beneiden könnte," schrieb der knapp 30- Jährige an Freunde.

"O lieb, so lang du lieben kannst"

Er wollte arbeiten, aber da raus wurde nicht besonders viel. Die Drachenfels- Landschaft, die Liebe und der Wein hatten es ihm angetan. Die Weimarerin Ida Melos lernte er kennen, dichtete "O lieb, so lang du lieben kannst". Und ehelichte seine Ida 1841. Ja, dann war da noch die Sache mit dem Rolandsbogen. Ein Sturm hatte das Gemäuer 1840 weggefegt. Freiligrath, inzwischen vom Zauber der Rhein- Romantik voll ergriffen, nahm sich des zerstörten mittelalterlichen Monuments an, rief in der Kölnischen Zeitung zu Geldspenden auf - der Bogen wurde restauriert. Station zwei am Rhein: "In Assmannshausen in der Kron . . . " Dort verfasste Freiligrath 1844 etliche Verse. Besagte "Krone" sollte in den kommenden Jahrzehnten zum "Dichterheim" avancieren und steht heute noch als Nostalgie- Restaurant (- Hotel) groß da. Wer das Haus besucht, findet eine Freiligrath- Gedenktafel am Fachwerk- Gebäude. Schriften des Dichters, Neudrucke, Primär- und Sekundärliteratur sowie Gästebücher/Widmungen sind neben Fotos und Bildern in einem Gedenkzimmer im ersten Stock des Hauses zu sehen.

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"In Assmannshausen in der Kron'": eine Freiligrath- Gedenktafel. Foto: W. Kroener

Grundstock der Revolution von 1848

Freiheitskämpfer Freilig rath, der mit seinem Eintreten für nationale Einheit und eine demokratische Ordnung den gedanklichen Grundstock der Revolution von 1848 legte - an diesen Polit- Lyriker wird nicht nur in Assmannshausen erinnert. Auch in St. Goar lassen sich Spuren verfolgen. Oberwesels "Gasthaus zum Goldenen Pfropfenzieher" - historisches Haus, fast 400- jährige Geschichte - darf besichtigt werden. Dort hat der Freiligrath- Freund und Kollege Hoffmann von Fallersleben mit Schiffern und Winzern zum ersten Mal am Rhein sein Deutschland- Lied angestimmt. Freiligrath über Oberwesel: "Gruß dir, Romantik! - Welch ein prächtig Nest! / Mit seines schlanken Mauerthurmes Zinnen, / Mit seiner Thore mossbewachsnem Rest, / Mit seiner Burg, so schartig und so fest."

Vom lyrischen "Bombenleger" zum "Trompeter der Revolution"

Den "Königsstuhl zu Rhense", Schloss Ebernburg, Mäuseturm bei Bingen - all diese Örtlichkeiten der Region hat der Dichter in seinem "Glaubensbekenntnis" beschrieben. Der einstige Wüsten- und Löwenpoet wandelte sich während seiner rheinischen Jahre zum "linken" Autor. Seine Zeitgedichte, zwischen 1842 und '44 in St. Goar zu Papier gebracht und im Mai 1844 in Assmannshausen vollendet, sie wurden in einer Nacht- und Nebelaktion im Verlag Viktor von Zabern in Mainz gedruckt, dann unters Volk gebracht. "Bombenleger" Freiligrath und seine Ida mussten fliehen - es folgten Jahre des Exils. Im Ausland lernte er zahlreiche deutsche Exildemokraten kennen, begegnete Karl Marx. Niederschlag fand der politische Reifeprozess in der Lyrik- Sammlung "Ça ira" ("Es wird gehen"). Nach seiner Deutschlandrückkehr im Mai 1848 wurde Freiligrath Delegierter der Demokraten- Kongresse von Frankfurt und Köln, avancierte mit dem Gedicht "Die Toten an die Lebenden" endgültig zum "Trompeter der Revolution".

Er war fast schon 60, als er noch einmal auf dem Rhein an seinem Belvedere Unkel vorüberfuhr. "Es waren meine sorglosesten und schönsten Jahre", erinnerte der 1876 verstorbene Dichter.

Wolfgang Kroener


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Zuletzt geändert am 19. Maerz 2002 13:08 von tea

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