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Die etwas andere Geschen­kidee: Knast­ware

Räu­cher­männ­chen im Häft­ling-Out­fit

Leip­zig - Weih­nacht­lich anhei­melnd wirkt der kleine Mann nun wirk­lich nicht: Die schwarz-weiß gestreifte Häft­lings­kluft, Kette und Kugel am Bein und Nummer auf der Mütze ver­mit­teln eher Knast­fee­ling. Doch das Räu­cher­männ­chen "Häft­ling", von Straf­tätern im Zwickauer Gefäng­nis lie­bevoll gedrech­selt und bemalt, ist vor Weih­nach­ten der abso­lute Ren­ner.

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Knast­ware aus Naum­burg wie Mützen und Hemden werden ganz­jäh­rig auch über www.haeft­ling-shop.de ver­trie­ben.

Der Räu­cher­mann gehört zu rund 60 Pro­duk­ten aus Sach­sens Jus­tiz­voll­zugs­anstal­ten, die im Inter­net über http://www.gitterladen.de ver­trie­ben werden. Auch in anderen deut­schen Gefäng­nis­sen haben Weih­nachts­arti­kel Hoch­kon­junk­tur. Viele Haft­anstal­ten orga­nisie­ren Weih­nachts­basare, immer mehr setzen aber auch auf den Onli­never­kauf ihrer Pro­duk­te.

Vie­ler­lei Vor­tei­le

Arbeit hinter Gittern hat vie­ler­lei Vor­teile: Sie fördert die Reso­zia­lisie­rung der Häft­linge und schafft Abwechs­lung im mono­tonen Gefäng­nisall­tag. Zusätz­lich spült der Verkauf der Waren noch ein paar Euro in die öffent­lichen Kassen und drückt damit die Kosten für den Straf­voll­zug, für den der Steu­erzah­ler auf­komm­t.

Seit 1993 die Räu­cher­männ­chen-Pro­duk­tion in Zwickau mit dem "Häft­ling" star­tete, sind der Phan­tasie keine Grenzen gesetzt. Mitt­ler­weile drech­seln vier Gefan­gene ganz­jäh­rig auch den Räu­cher­mann als Poli­zist, Richter und Wärter mit Schlüs­sel­bund - quasi als Kon­trast­pro­gramm zur tra­ditio­nel­len Volks­kunst aus dem Erz­gebirge, an dessen Fuße Zwickau liegt. Die Nach­frage steigt seit Jahren. "Aber vor allem vor Weih­nach­ten boomt das Inter­esse", freut sich Werner Müller, Chef der Drech­selei in der JVA Zwickau. Die Räu­cher­männ­chen aus dem Knast sind für die meisten Kunden draußen in erster Linie ein Gag. "Sch­ließ­lich ist das keine typi­sche Weih­nachts­deko­ration", meint Müller veschmitzt. Die Gefan­genen selbst kaufen gern ihr "Alter Ego", also das Häft­lings-Räu­cher­männ­chen, wogegen ihre Angehö­rige den Richter und andere Figuren bevor­zugen.

Weih­nachts­basar vor den Gefäng­nis­toren

Der Inter­net-Git­ter­laden hat seit Eröff­nung im März nach Angaben des säch­sischen Jus­tiz­minis­teri­ums ins­gesamt mehr als 13.000 Euro ein­genom­men, die kom­plett in die Staats­kasse fließen. In der Regel kaufen dort Pri­vat­kun­den. Jüngst aller­dings orderte ein Unter­neh­mer in Zwickau für seine Mit­arbei­ter zum Weih­nachts­fest mehr als 50 Räu­cher­män­nerl. Die Gefan­genen selbst werden auf Grund­lage des Straf­voll­zugs­geset­zes ver­gütet und ver­die­nen im Schnitt 180 bis 220 Euro monat­lich.

Auch aus anderen Haft­anstal­ten kommt Weih­nacht­liches: aus Chem­nitz etwa Baum­schmuck aus Zinn und aus der JVA Dort­mund ein Schnee­mann­sor­timent und Tee­licht­hal­ter. Die JVA Naum­burg in Sach­sen-Anhalt lud Ende Novem­ber zum tra­ditio­nel­len Weih­nachts­basar vor den Gefäng­nis­toren mit Spiel­zeug, Weih­nachts­schmuck und Tisch­deko­ratio­nen. Knast­ware aus Naum­burg wie Mützen und Hemden werden ganz­jäh­rig auch über http://www.haeftling-shop.de ver­trie­ben, der auch Pro­dukte aus Bran­den­burg, Bayern, Baden-Würt­tem­berg und Nord­rhein-West­falen führ­t.

Weih­nachts­baumstän­der und Grill­gerät

Immer mehr Gefäng­nisse setzen auf Onli­neshops wie die JVA Her­ford, die unter anderem eiserne Weih­nachts­baumstän­der her­stellt und seit August über Inter­net ver­kauft. Der Renner ist aller­dings ein Grill­gerät. "Das geht weg wie warme Sem­meln", meint Dirk Müller, der den Onli­neshop betreut. Mitt­ler­weile gebe es Lie­fer­zei­ten von bis zu einem halben Jahr. Für den all­jähr­lichen Advents­markt des Her­for­der Gefäng­nis­ses werden deshalb Dut­zende Grills vor­pro­duzier­t.

"Reich werden wollen wir damit nicht"

Die JVA Werl hat sich auf höl­zerne Lich­ter­bögen mit Motiven wie die ört­liche Props­tei­kir­che oder das Bran­den­bur­ger Tor spe­zia­lisiert, die auf einem eigenen Stand auf dem Werler Weih­nachts­markt und seit einigen Monaten auch über das Inter­net ver­kauft werden. "Reich werden wollen wir damit nicht", betont Markus Bier­mann, Leiter der Arbeits­ver­wal­tung. Es gehe darum, die Häft­linge über­haupt erst an eine gere­gelte Arbeit her­anzu­führen. Viele kennen einen nor­malen Arbeit­sall­tag aus ihrem Vor­leben gar nicht. Dass ein Straf­täter, der das ganze Jahr über Rich­ter-Räu­cher­männ­chen bas­telt, geläu­tert wird, bleibt frei­lich Illu­sion.

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